Keine klare Zukunft

Georg Erkinger zur Causa MAN

Stimmst du einem Übertritt in die WSA Beteiligungs GmbH unter den dir genannten geänderten Rahmenbedingungen zu? Auf diese Frage haben 63,9 Prozent der Beschäftigten des MAN-Werkes in Steyr mit nein geantwortet.

Danach erklärte Siegfried Wolf er müsse das Ergebnis zur Kenntnis nehmen, um wenige Wochen später mit einem im wesentlichen unveränderten Konzept und nur marginalen Verbesserungen die Übernahme des Werkes zu verkünden. Nicht eingebunden wurde der Betriebsrat des Werkes. Damit zeigt sich einmal mehr, wie wenig die Interessen der Beschäftigten zählen und wie wenig das Wort eines Managers wert ist, wenn es um riesige Profite für Konzerne geht.

Verträge gelten weiter?

Von gewerkschaftlicher Seite reagierten PRO-GE und GPA dennoch verhalten positiv auf die neuen Pläne und sahen mit den Ankündigungen von Siegfried Wolf und MAN einen ersten Schritt nach vorne. Wolf übernehme als neuer Eigentümer alle Beschäftigten, alle MAN-Verträge und damit auch alle Vereinbarungen.

Dies bedeute, dass auch die bestehenden Verträge mit den Arbeitnehmer*innen weiterhin Gültigkeit hätten und daher das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Es gäbe bisher nur einen Deal zwischen Wolf und MAN, noch keinen mit den Arbeitnehmer*innen. Der Einsatz für die Belegschaft und für gute Arbeitsbedingungen gehe weiter, so Alois Stöger für die PRO-GE und Karl Dürtscher für die GPA.

„Der Sozialplan, die Detailvereinbarungen, das muss jetzt ausverhandelt werden“, so auch der Sprecher von Siegfried Wolf und dessen WSA Beteiligungs GmbH gegenüber moment.at. Zur Rechtmäßigkeit der Kündigung des Standortvertrages hält Josef Kalina fest, dass dieser natürlich und zurecht gekündigt ist. Wer auf dem Vertrag bestehe, wird ihn wohl einklagen müssen und zeigt sich überzeugt, dass sich da nicht viele anschließen werden.

Mahnendes Beispiel ATB

In jüngster Vergangenheit hat sich bei der Schließung der ATB Spielberg, einem Hersteller von Elektromotoren, ähnliches zugetragen. Bleibt zu hoffen, dass in Steyr langfristig nicht ein derartiges Schicksal droht. Auch das ATB Werk in Spielberg wurde schrittweise ausgehungert und weiterverkauft.

Noch bevor Wolf die Übernahme abgeschlossen hat, steht jedenfalls auch für MAN Steyr schon ein Weiterverkauf der Mehrheit des Werkes im Raum. Wie derstandard.at berichtete sollen in drei bis fünf Jahren bis zu 74,9 Prozent des Werkes an den russischen VW Partner Gaz weiterverkauft werden. Dieser wiederum galt in der Vergangenheit als Übernahmekandidat durch VW, jenem Volkswagen Konzern also, der über MAN das Werk in Steyr bis zum Verkauf an Wolf besitzt.

Damit zeigt sich, dass das Werk auch in Zukunft im Einflussbereich und in Abhängigkeit von VW bleiben wird. Die Umstrukturierungen im Konzern zielen darauf ab, möglichst hohe Profite zu erzielen. Wie sehr dies gelingt, wird auch davon abhängen, wie die Verhandlungen mit den Beschäftigten nun weitergehen. Sich zwischen einzelnen Beschäftigten und Beschäftigtengruppen auseinanderdividieren lassen, wäre dabei die schlechteste Option für alle.

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