Preise von heute, Inflation von gestern

Anne Rieger über Inflation und Lohnkampf

Aktuell liegen Abschlüsse zu Lohnerhöhungen zwischen 3,05 und 4,5 Prozent. Hört sich vielleicht nicht schlecht an, gemessen an 1,5 Prozent der Vergangenheit. Aber sie sind schauderhaft, gemessen an der Inflationsrate von 6,8 Prozent, mit der unser Geld abgewertet wird.

Die Preise für Gemüse sind gar um zehn Prozent, Öle und Fette um 13, Butter um 22 Prozent gestiegen. Energie, Tanken, Wohnen, Heizen lässt viele nicht mehr schlafen. Die Teuerung betrug im Januar schon fünf Prozent, stieg im Februar auf 5,9 und liegt jetzt bereits bei 6,8 Prozent. Expert*innen gehen davon aus, dass die Inflation auf 9 Prozent steigen könnte.

Höhere Löhne müssen her

Das heißt, die Abschlüsse der Kollektivverträge müssen drastisch erhöht werden, damit Lebensmittel nicht zum Luxus für die arbeitenden Menschen, Pensionist*innen und Arbeitslose werden! Die Kapitalisten sehen das offensichtlich anders. Lediglich 4,5 Prozent höhere Löhne gestanden die Seilbahner, 4,2 Prozent die des Baugewerbes ihren Beschäftigten zu. Andere geizten noch mehr.

Auch die Rekordgewinne der Banker führen nicht zu Reallohnerhöhungen für ihre Angestellten. Angesichts des aktuellen Rekordwertes der österreichischen Kreditinstitute von 6,5 Milliarden Euro Jahresüberschuss nach Steuern, sind 3,25 Prozent Lohnerhöhung eine Verhöhnung der arbeitenden Menschen.

Beschäftigtenfeindliche Verhandlungsgrundlage

Wie kommt es zu solch hartherzigen KV-Abschlüssen? Wieso hat die Bau-Holz 4,2 Prozent zugestimmt? Die Gewerkschaft argumentiert, dass für KV-Abschlüsse der durchschnitt- liche Verbraucherpreisindex (VPI) der letzten zwölf Monate als Grundlage genommen wird. Für die Lohnerhöhungen mit dem 1. Mai 2022 ist es der 12-Monats-VPI von März 2021 bis Februar 2022. Dieser ergebe 3,5 Prozent.

Diese beschäftigtenfeindliche Grundlage muss sofort geändert werden. Denn was nutzt beim teuren Einkaufen heute eine Inflationsrate von gestern? Die Gewerkschafter*innen der PRO-GE bzw. GPA fordern von den Unternehmer*innen der Papier-, der Chemie-, der Textil, der Elektro- und Elektronikindustrie lediglich sechs Prozent Lohnerhöhung, eine Forderung unter der Inflationsrate.

Diese Forderung nach einem Reallohnverlust ermunterte die Papierindustriellen zur Provokation: Nach nur 25 Minuten verließen sie die Verhandlung mit der Argumentation, dass die Arbeitnehmer*innen sich zwar viel wünschen dürften, aber wenn es bei der Forderung bliebe, sie nicht weiterverhandeln würde, berichtete die GPA.

Reallohnverlust durch Preis-Lohn-Spirale

Unternehmer*innen, Politiker*innen und Medienleute schwafeln von der Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Das ist Gehirnwäsche pur, denn zuerst steigen die Preise, dann braucht es höhere Löhne. Tatsächlich handelt es sich um eine Preis-Lohn-Spirale. Die Gewinne großer Unternehmen und Banken steigen, sie forcieren die Preise und machen wie immer fette Profite durch die Arbeit ihrer Beschäftigten.

Es ist gut, dass die Gewerkschaften „gewerkschaftliche Maßnahmen“ beraten. Nur werden Konferenzen und Betriebsversammlungen nicht reichen. Nur mit Kampfmaßnahmen, die den Unternehmer*innen finanziell weh tun, haben wir eine Chance die Inflationsabwertung unserer Einkommen abzuwehren.

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