Arbeit anders denken und verteilen

Neuaufstellung der Gewerkschaftlichen Linken in Tirol

In Tirol hat die Gewerkschaftliche Linke (GL) eine neue Landessprecherin und einen neuen Landesprecher gewählt.

Evi Kofler (GÖD) und Daniel Spiegl (GPA) haben einstimmig das Vertrauen erhalten. Evi arbeitet als Ergotherapeutin im Psychiatrischen Krankenhaus in Hall und ist seit vielen Jahren zivilgesellschaftlich engagiert.

Daniel, Vater von zwei Kindern, arbeitet seit über 20 Jahren im Gesundheits- und Sozialbereich und ist bei den Sozialen Diensten der Kapuziner (slw) im Betriebsrat aktiv. Ihr Vorgänger Josef Stingl (vida) hat beide für die GLB-Zeitschrift „Die Arbeit“ zu einem Gespräch gebeten.

Warum „Gewerkschaftliche Linke“ und wie kam es dazu?

Evi: Es ist eine Fraktionskooperation. Ende 2017 hat sich die „Alternative Liste Innsbruck“ (ALI) gegründet. Die Idee dabei, Kräfte von Menschen, die schon jahrelang gesellschaftlich aktiv waren und zusammengearbeitet haben zu bündeln und dann gemeinsam zur Gemeinderatswahl anzutreten. Es gelang ein geglückter Start – mit einem Mandat im Gemeinderat der Tiroler Landeshauptstadt.

Wofür wir auf kommunalpolitischen Parkett unterwegs sind, wollten wir auch auf beruflicher Ebene fortsetzen. Mit dem GLB verband viele von uns schon eine langjährige Zusammenarbeit. Daraus entwickelten wir eine gemeinsame GL-Kandidatur bei der AK-Wahl 2019. Das Ergebnis, nicht einmal 100 Stimmen fehlten auf ein Mandat.

Daniel: Mehr als Grund genug, um weiter gemeinsam zu arbeiten.

Welche Zielsetzungen habt ihr für die nächste Periode als GL-Landessprecher*in?

Daniel: Gemeinsam mit Evi und dem gesamten Team „Mehr für die Mehrheit“ umzusetzen. Mir ist es auch ein großes Anliegen möglichst viele Kolleg*innen für die Gewerkschaft, insbesondere für GL zu begeistern und zu gewinnen.

Evi: Ich sehe die Festigung und den Ausbau der Organisationsstrukturen und der Netzwerke, sowie die Einbindung der Aktivist*innen als wichtige Aufgaben. Darüber hinaus geht es darum, die GL mit Blick auf die nächste AK Wahl noch präsenter zu machen.

Beide seid ihr im Gesundheitsbereich tätig, mit welchen Problemen kämpft ihr im Betrieb.

Evi: Immer mehr hängen den „Pflegekittel“ an den Nagel, fallen durch Krankheit, Überlastung für lange Phasen aus. Der Personalmangel hat sich durch Corona deutlich verschärft. Der dringend notwendige Ausgleich bleibt auf der Strecke.

Daniel: Wir befinden uns in einer ähnlichen Situation. Wir kämpfen stark darum Personal zu finden. Außerdem arbeiten wir im Betriebsrat gerade an einer neuen Betriebsvereinbarung.

Bleiben wir beim sogenannten Pflegenotstand, der ja ein „Pflegepersonal im Notstand“ ist. Die Pflegemilliarde und Pflegelehre helfen dagegen?

Evi: Unsere Kolleg*innen haben in den letzten Jahren trotz massiv erschwerter Arbeitsbedingungen außergewöhnliches geleistet und Anerkennung dafür verdient. Aber, die sogenannte Pflegemilliarde ist nur für die nächsten 2 Jahre budgetiert. Was danach kommt bleibt offen. Zu begrüßen ist die Ausbildungsinitiative, der Ausbildungszuschuss und das -stipendium. Sie sind jedoch nicht existenzsichernd, was dazu führt, dass Auszubildende weiterhin entweder auf Unterstützung von zu Hause angewiesen sind oder zusätzlich „jobben“ müssen. Mein größter Kritikpunkt am vorgestellten Modell ist die fehlende aber längst überfällige Arbeitszeitreduktion bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Die sechste Urlaubswoche für alle über 43 ist ein nettes Geschenk, ebenso die Zeitgutschriften beim Nachtdienst. Da aber zahlreiche Stunden angehäuft und nicht abgebaut sind, frage ich mich, wie viele Kolleg* innen tatsächlich zeitnah davon profitieren können.

Daniel: Kritisch sehe ich, dass nicht alle Gruppen in der Pflegereform berücksichtigt wurden. Ebenso kritisch stehe ich zur Pflegelehre. Pflegearbeit bringt außerordentliche große psychische und physische Belastung mit sich. Diese Belastungen jetzt in einer Lehre auch 15-jährigen im psychologischen sensiblen Entwicklungsstadium zuzumuten, ist unverantwortlich. Zusammengefasst, der Jahrzehnte lange Stillstand wird jetzt etwas aufgerissen, am Ende des Tages zählt aber das tatsächliche Ergebnis. Es bleibt sicherlich viel Platz für Verbesserungen.

Was sind im Allgemeinen die wichtigsten Forderungen für eine schöne, neue Arbeitswelt?

Daniel: Ein Umdenken, etliche internationale Beispiele zeigen kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn und mehr betriebliche Mitsprache sind möglich und eine Win-Win-Situation für Mensch und Betrieb. Von der Regierung erwarte ich mir Transparenz und ebenso verstärkte Mitbestimmung für uns und unsere Interessenvertretungen.

Evi: Kurz gesagt: Mehr Geld, Mehr Freizeit, Mehr Personal. Es ist an der Zeit Arbeit anders zu denken und zu verteilen!

Ich danke euch für das Gespräch und wünsche euch viel Erfolg.

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