Synonym für den Aufstieg

Ute Wödl zu 100 Jahre AK Bibliothek Wien

Das Buch als Synonym für politischen und sozialen Aufstieg durch Bildung war schon im 19. Jahrhundert in den Bibliotheken der Arbeiterbildungsvereine ein wesentliches Angebot.

Und auch die Arbeiterkammern richteten bald nach ihrer Konstituierung 1921 Bibliotheken ein. Diese dienten als Arbeitsgrundlage für die an der AK beschäftigten Referent*innen, zudem boten sie für die von außen kommenden Leser*innen Bildung, Information und „Unterhaltung mit Anspruch“.

Die Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Arbeiterkammer Wien ist seit dem 18. September 1922 für die Allgemeinheit zugänglich. Die ersten Jahre des Bestehens waren geprägt durch große Bestandszuwächse – die AK stellte ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung, um einen umfassenden Grundstock an Büchern, Zeitschriften und internationalen Zeitungen erwerben zu können, dazu kamen über Nachlässe die Bestände aus vier Privatbibliotheken bedeutender Sozialisten (Engelbert Pernerstorfer, Leopold Winarsky, Anton Menger und Victor Adler).

1938 lösten die Nationalsozialisten die Arbeiterkammern auf, die Vermögenswerte – darunter auch die Bestände der Bibliothek – wurden der NS-Organisation „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) bzw. ihr unterstellten Organisationen überantwortet. Die geplünderten Bibliotheksbestände wurden nach Berlin transferiert, wo sich in den Kriegswirren bald konkrete Spuren verlieren.

So musste nach Kriegsende mit Wiedererrichtung der Arbeiterkammern auch die Studienbibliothek beim Aufbau ihrer Bestände von Null anfangen. Von den geraubten ca. 160.000 Bänden (Stand 1938) wurden bis in die 1950-er Jahre etwa 30.000 Werke zurückgegeben. Trotz beschränkter finanzieller Mittel gelang es, durch Geschenke, Nachlässe und antiquarische Ankäufe rasch wieder einen umfassenden und qualitativ hochwertigen Bestand aufzubauen.

Ebenso gelang es, 1960 mit der Übersiedlung der AK Wien an den heutigen Standort Prinz-Eugen-Straße den Leser*innen einen der damals modernsten Lesesäle Österreichs anzubieten. Als für technischen Fortschritt offene Einrichtung wurden ab den 1980-er Jahren die gedruckten Medien sukzessive um Bild- und Tonträger ergänzt, die Bibliotheksbestände über einen Onlinekatalog suchbar gemacht.

Heute erfreuen sich auch die digitalen Angebote an E-Books und Hörbüchern sowie Spiel- und Dokumentarfilmen großer Beliebtheit und ermöglichen unkomplizierte zielgruppenspezifische Services wie die Spezialsammlungen „Vorwissenschaftliche Arbeit“ für Schüler*innen, „Gesundheitsberufe“ oder „Betriebsrät*innen“.

Gut 100 Jahre nach ihrer Eröffnung präsentiert sich die AK Bibliothek Wien als heller, freundlicher „Aufenthaltsort ohne Konsumzwang“ mit geräumigen Arbeitsplätzen und auch einigen PC-Arbeitsplätzen mit Internetzugang.

Ein mittlerweile wieder mehr als 500.000 Medien umfassender Bestand aus allen Themenbereichen der Sozialwissenschaften, zudem Tages- und Wochenzeitungen und Fachzeitschriften stehen allen Leser*innen kostenfrei zur Verfügung. Denn noch immer gilt: Zugang zu Information und Bildung darf keine Frage der individuellen finanziellen Möglichkeiten sein!

Ute Wödl ist Leiterin der AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften

AK Bibliothek Wien

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